Selbstgefährdung
Im Internet – und hier besonders in den Kommunikationsangeboten – finden sich häufig Inhalte, die selbstgefährdendes Verhalten (z.B. Magersucht, Selbstverletzungen und mitunter sogar Suizid) propagieren. Diese Angebote sind deshalb so gefährlich, weil sie auf betroffene und auch auf gefährdete Jugendliche einen besonderen Reiz ausüben: Sie vermitteln ein gefährliches „Wir-Gefühl“. Sie machen den User zum Mitglied einer eingeschworenen Gemeinschaft, die den Einzelnen in seinem Verhalten bestätigt oder gar bestärkt. Wer im Internet nach Hilfe sucht, findet so im schlimmsten Fall statt seriöser Therapiemöglichkeiten Tipps zum „effektiven“ Hungern oder die „sichersten“ Suizidmethoden. Deshalb sind viele dieser Inhalte als jugendgefährdend einzustufen.
jugendschutz.net recherchiert regelmäßig zu dieser Problematik, geht gegen gefährliche Angebote vor, veröffentlicht Berichte über die Ergebnisse und erstellt praktische Hilfen für Eltern und pädagogische Fachkräfte. Weitere Informationen finden Sie hier.
Verherrlichung von Essstörungen

- Pro-Anas nutzen Bilder und Symbole zur Motivation
Einige an Essstörungen Erkrankte suchen nicht nach Unterstützung und Hilfe, sondern feiern ihre Essstörung als Lifestyle und suchen im Internet nach Gleichgesinnten, die sie weiter in ihrem selbstschädigenden Verhalten bestärken. Sie selbst sagen über sich verniedlichend, dass sie Pro-Ana (Anorexia nervosa, Magersucht) oder Pro-Mia (Bulimia nervosa, Ess-Brech-Sucht) seien. Auch in Kommunikationsangeboten treffen sich die oft noch minderjährigen Anhängerinnen und Anhänger dieser Bewegung. In ihren Community-Profilen verharmlosen, romantisieren und verherrlichen sie teils sogar ihre Krankheit – z.B. wird in fiktiven Briefen von Ana bzw. Mia die Essstörung als einzig wahre Freundin personifiziert. Fotos von „Vorbildern“ („Thinspirations“) – z.B. von anderen Betroffenen oder extrem schlanken Models – werden veröffentlicht und untereinander weitergegeben, in Gruppen und Foren Abnehm- und Geheimhaltungstipps ausgetauscht. Oft werden auch die Links zu privaten Foren getauscht, die von Betroffenen selbst betreut werden – teils um noch mehr unter sich zu sein, vor allem aber auch um der eventuell vorhandenen Kontrolle durch den Betreiber der Community zu entgehen.
Verherrlichung von selbstverletzendem Verhalten

- Durch Bilder wird selbstverletzendes Verhalten idealisiert
Ähnliche Probleme lassen sich im Bereich des selbstverletzenden Verhaltens beobachten. Hier propagieren die Betroffenen, dass körperliche Schmerzen die seelischen vergessen lassen. Profile und Gruppen enthalten oft Bilder von z.B. aufgeritzten Armen, Tipps, wie man sich am besten verletzt, ohne zu viele Narben davonzutragen, und wie die Krankheit am besten verborgen werden kann. In einigen Fällen sind auch Verherrlichungen von Selbsttötung und ein Austausch von möglichen und leicht verfüg- bzw. durchführbaren Methoden zu beobachten.
Verherrlichung von Alkohol- und Drogenkonsum
Ebenso wird in Kommunikationsangeboten mitunter der Konsum von Drogen verharmlost. Detaillierte Darstellungen, wo man Drogen kaufen kann, wie man sie aufbereitet und mit welchen rechtlichen und elterlichen Sanktionen zu rechnen ist, finden sich in Gruppen, Profilen, Foren oder werden mittels anderer Kommunikationsfunktionen ausgetauscht. Häufig wird der (exzessive) Konsum von Alkohol glorifiziert – besonders unter Jugendlichen.


