Belästigungen
Problematische oder gar gefährliche Kontakte können in Kommunikationsangeboten auf verschiedene Arten zustande kommen: über Chaträume, interne Foren, Gruppen oder Kommentare zu Fotos oder Blog-Einträgen. In den meisten Fällen werden sie aber über private Nachrichten geknüpft, in die nur Sender und Empfänger Einblick haben. Dazu zählen z.B. Nachrichten über Instant Messenger, über Flüsterfunktion im Chat und über interne Community-Nachrichten. Besonders riskant sind Angebote, die ein sofortiges und direktes Ansprechen eines Users erlauben, da schon die erste Äußerung beleidigend und verletzend sein kann.
Beschimpfungen und Beleidigungen

- Beleidigung im Chat
In Kommunikationsangeboten kommt es immer wieder zu Beschimpfungen und Beleidigungen – häufig durch unbekannte User. Dies kann im Chat, in Forenbeiträgen oder durch Kommentare in einer Community geschehen (z.B. zum Foto einer 16-Jährigen: „Ach du spielst Fußball… jetzt weiß ich endlich, warum du so ne häßliche Fresse hast… schon paar mal den Ball ins Gesicht bekommen, oda???“).
Sexuelle Belästigungen
Sexuelle Übergriffe sind eines der größten Probleme bei der Online-Kommunikation. Sie geschehen besonders häufig während der direkten Kommunikation (z.B. im Chat oder Messenger), können jedoch auch mittels Kommentarfunktion oder im Gästebuch von Communitys erfolgen. In einigen Communitys können User z.B. das eigene Profil auf Bildern anderer verlinken und einen Kommentar hinterlassen. Mitunter wird diese Funktion von (erwachsenen) Usern missbraucht, um den Intimbereich Minderjähriger auf Fotos zu markieren und entsprechend zu kommentieren (z.B. auf dem Foto einer 14-Jährigen: „da will mein nschwans rein oh oh oh oh oh stöhn“).
Bei privaten Nachrichten, Mails oder Dialogen im Chat können schon die ersten Sätze sexuell belästigend sein. In anderen Fällen versuchen die Belästigerinnen und Belästiger erst nach kurzem „Small-Talk“ eine sexuelle Annäherung. Besonders häufig werden Kinder und Jugendliche dabei nach ihrem körperlichen Entwicklungsstand („Haste schon Titten?“) und nach sexuellen Erfahrungen („Haste schon mal gefickt?“) gefragt. Oftmals schildern die Belästigerinnen und Belästiger auch die eigenen sexuellen Praktiken und Wunschvorstellungen („Würde dich gerne mal ins Gesicht besamen“).

- Kommunizieren sexueller Fantasien
Bietet ein Kommunikationsdienst dazu Möglichkeiten, werden durch Belästigerinnen und Belästiger auch pornografische Dateien und Links übersendet. Häufig nutzen sie Messenger oder versuchen, die Kommunikation dorthin zu verlagern, weil es hier – anders als in den meisten Chats und Communitys – keine Moderatorinnen und Moderatoren oder Beschwerdemöglichkeiten gibt. Instant Messenger erlauben zudem Webcam-Übertragungen. Das Material, das Minderjährigen hier übersendet wird, reicht von Tonaufnahmen (z.B. während des Onanierens) über selbst gefilmte Pornovideos bis hin zu tierpornografischen, gewaltverherrlichenden und kinderpornografischen Bildern und Links. Nicht selten werden die Opfer in diesem Zusammenhang zu sexuellen Handlungen an sich selbst oder anderen (z.B. den Nachbarskindern oder ihrem Haustier) aufgefordert und nach Nacktfotos oder entsprechenden Webcam-Übertragungen gefragt.

- Anfrage nach Webcam-Kontakt
Manche Täterinnen und Täter versuchen mit Geld oder Geschenken zu locken: Im Austausch gegen ein Nacktfoto, eine Webcam-Übertragung oder getragene Unterwäsche werden z.B. ein neues Handy oder Geld versprochen. Da Jugendliche meist noch kein eigenes Konto besitzen, bieten die Täterinnen und Täter z.B. an, das Handy-Guthaben aufzuladen. Geld und Geschenke sollen in einigen Fällen auch zu realen Treffen mit „ein bißchen Küssen“ oder sogar Geschlechtsverkehr verführen.
Bedrohungen

- Bedrohung im Chat
Meist im Zusammenhang mit sexuellen Belästigungen oder bei Streitigkeiten unter Jugendlichen kommt es in Kommunikationsdiensten auch zu Bedrohungen. Als Einschüchterungsversuch wird z.B. ein Hacker-Angriff angekündigt. Auf diese Weise versuchen Belästigerinnen und Belästiger z.B., Kinder und Jugendliche zum Versenden von Nacktfotos zu erpressen. In wenigen Fällen kommt es auch zu Vergewaltigungs- und sogar Morddrohungen – diese sollen zumeist verhindern, dass Kinder ihren Eltern von dem Vorfall berichten.


